Welche Faktoren beeinflussen die Umweltbilanz einer Verpackung?

Verpackungen mit geringem Materialeinsatz, hoher Recyclingfähigkeit oder einem reduzierten Ressourceneinsatz gewinnen für Verbraucher, Handel und Industrie zunehmend an Bedeutung. Welche Kriterien eine Verpackung erfüllen muss, um nachhaltig zu sein, ist jedoch nicht genau definiert.

Bei der Bewertung von Verpackungen werden häufig Produktschutz, Materialeinsatz, Recyclingfähigkeit und Logistik berücksichtigt.

1. Produktschutz

Die wichtigste Aufgabe der Verpackung

Die Verpackung muss das Produkt schützen. Verpackung ist nie Selbstzweck, sondern hat eine Funktion zu erfüllen.

In einer Untersuchung zur Bedeutung der Nachhaltigkeit von Verpackungen durch Smithers Pira stuften die befragten Markeninhaber und Händler den Produktschutz als wichtigste Aufgabe der Verpackung ein.

Und auch Christain Detrois, Corporate Packaging Manager bei Nestlé Deutschland, berichtete auf dem Packaging Summit der neuen Verpackung: „Der Footprint von Verpackungen ist nicht das große Problem. Der größte Teil des Footprints wird von den Produkten selbst verursacht. Das gilt für Lebensmittel wie auch für andere Konsumgüter.“ Deshalb wiegen Produktverluste schwerer als der Footprint von Verpackungen. „Aus unserer Sicht ist es überhaupt keine Lösung, auf Verpackungen zu verzichten, insbesondere dann nicht, wenn wir Produktverluste in Kauf nehmen müssen“, so Christian Detrois.

Gerade im Online-Handel spielt der Produktschutz eine herausragende Rolle.

2. Wie kann eine Verpackung Ressourcen schonen?

Bei vielen Verpackungskonzepten wird versucht, den Material- und Energieeinsatz zu reduzieren. Durch Verwendung dünnerer Folie, sogenanntes Downgauging, und den Einsatz von leichtgewichtigem Karton kann der Ressourceneinsatz verringert werden. Ziel vieler Verpackungslösungen ist es, den Materialeinsatz auf das notwendige Maß zu begrenzen, ohne die Schutzfunktion zu beeinträchtigen.
 

3. Ist Mehrweg der bessere Weg?

Mehrwegverpackungen kennt man insbesondere aus der Getränkeabteilung – Glas- und PET-Flaschen können mehrfach verwendet werden. Die tatsächliche Umweltwirkung hängt unter anderem von Umlaufzahlen, Transportwegen und Reinigung ab. Allerdings muss eine Mehrwegverpackung nach Gebrauch gereinigt werden. Hier fallen Transportwege und der Einsatz von Energie, Wasser und gegebenenfalls Chemikalien an. Je nachdem, wie groß dieser Aufwand ist, rechnet sich eine Mehrwegvariante – oder eben auch nicht.

Auch die Europäischen Kommission will Mehrweg fördern und hat dies in einem am 30. November 2022 veröffentlichten Entwurf der EU-Verpackungsverordnung skizziert. Um die Wiederverwendung oder Wiederbefüllung von Verpackungen zu fördern, die in den letzten 20 Jahren stark zurückgegangen sind, sollen die Unternehmen einen bestimmten Prozentsatz ihrer Produkte in wiederverwendbaren oder wiederbefüllbaren Verpackungen anbieten, z. B. Getränke und Mahlzeiten zum Mitnehmen oder Lieferungen im E-Commerce. Es wird auch eine gewisse Standardisierung der Verpackungsformate und eine klare Kennzeichnung von Mehrwegverpackungen geben. Was mit großen Auswirkungen auf Hersteller von Verpackungen sowie Markenartikler verbunden ist.

Abseits der Aufmerksamkeit der Verbraucher macht auch die Logistikbranche große Fortschritte in diesem Bereich. In den Logistikprozessen von Handel und Industrie können Mehrwegtransportverpackungen (MTV) ihre Vorteile voll ausspielen, denn sie lassen sich in Kreislaufkonzepte einbinden. Die Paletten, Behälter oder Fässer sind stabil und verringern durch ihre lange Einsatzdauer den Verbrauch an Einweg-Transportverpackungen.

4. Wiederverwertbarkeit ist Grundlage für Kreislaufwirtschaft

Für eine hochwertige werkstoffliche Verwertung sollte die Verpackung recyclinggerecht gestaltet sein. Voraussetzung ist, dass eine Sortier- und Verwertungsinfrastruktur für ein werkstoffliches Recycling vorhanden ist.

Das heißt auch, dass die Verpackungen gegebenenfalls in ihre Komponenten trennbar sein müssen (wenn die Trennung für ein hochwertiges werkstoffliches Recycling erforderlich ist).

Im Bereich Kunststoffe gelten grundsätzlich weiße, ungefärbte Verpackungen aus reinem PP oder PE als Monomaterial und sind damit recyclingfähig. Die Zuordnung zu einem Verwertungspfad ist in der Sortierung möglich, weil weißes Material die Nahinfrarotstrahlen absorbiert und damit von anderen Verpackungen trennbar ist. Auch die Etikettierung muss entsprechend klein sein, damit die Verpackungen im Sortierprozess als PE oder PP erkannt werden. Wird die weiße Verpackung recycelt, kann aus ihr Granulat hergestellt werden, das bei der Wiederverwertung beliebig eingefärbt werden kann.

Dass ein solches Recycling eine wirkungsvolle Möglichkeit ist, die Umweltauswirkungen beziehungsweise Klimabilanz von Verpackungen zu verbessern, hat Prof. Dr. Dirk Burth von der Hochschule München in einem Artikel dargestellt, der die eingesparten CO2-Emission verschiedener Verpackungen sowohl im Closed als auch Open Loop betrachtet.

5. Rezyklate: Woher nehmen und wo einsetzen?

Rezyklate aus Verpackungen sollten im Sinne eines optimal funktionierenden Materialkreislaufs am besten wieder für die Herstellung von Verpackungen eingesetzt werden.

Auch eine Studie der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung im Auftrag der Klimaschutzoffensive des Handels kommt zu dem Ergebnis, dass viel mehr recycelte Kunststoffe für Verpackungen genutzt werden könnten. Bedingung: mehr qualitativ hochwertige Rezyklate auf dem Markt und weniger gesetzliche Hürden für deren Verwendung.

6. Was ist mit der Barriere der nachwachsenden Rohstoffe?

Die Recyclingfähigkeit von Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen hängt von Materialkombination, Beschichtungen und dem Verpackungsaufbau ab. Werden Kartonagen oder Papier allerdings beschichtet, etwa um eine Barriere zu bilden oder wasserdicht zu sein, bleibt die nicht verwertbare Plastikfolie übrig oder der ganze Verbund kann nicht wiederverwertet werden. Gleichzeitig  herrscht ein großes Unwissen über Faserverpackungen und ihre Recyclingfähigkeit. Es kommt immer auf die Art und Weise des Packungsaufbaus und die Materialauswahl an, genauso wie das verpackte Produkt.

Trotz aller Probleme, die Nachfrage nach Verpackungen aus faserbasierten Packstoffen boomt.

7. Welche Eigenschaften haben biobasierte und biologisch abbaubare Kunststoffe?

Man unterscheidet zwischen biobasierten und biologisch abbaubaren Kunststoffen: Biobasierte Kunststoffe sind teilweise aus Biomasse hergestellte Kunststoffe, also z. B. aus Mais und Zuckerrohr.

Ein neues Packmittel, sozusagen von der Wiese, ist Graspapier. Gras besteht ähnlich wie Holz unter anderem aus Cellulosefasern, wächst aber deutlich schneller als jeder Baum. Da lag der Gedanke nahe, es für Faserprodukte wie Papier oder Karton zu verwenden.

biologisch abbaubare Kunststoffe können sich unter definierten Bedingungen zersetzen. Die genauen Voraussetzungen hängen vom Material und den Abbauprozessen ab.
 

Laut Umweltbundesamt verbessern sich die Umweltauswirkungen nicht wesentlich, wenn die Rohstoffe biobasiert statt fossilbasiert sind. Die Auswirkungen verschieben sich eher: Während konventionelle fossilbasierte Kunststoffe mehr klimawirksames CO2 freisetzen, äußert sich der ökologische Fußabdruck biobasierter Kunststoffe in einem höheren Versauerungs- und Eutrophierungspotential sowie einem gewissen Flächenbedarf. Und auch beim Einsatz  von biologisch abbaubaren Verpackungen sieht das Umweltbundesamt keine Vorteile im Vergleich zu Verpackungen aus konventionellen oder biobasierten Kunststoffen. Stabiles und beständiges Material hat zumeist entscheidende Vorteile. Die mehrmalige Nutzung des Materials durch Recycling bietet signifikante ökologische Vorteile gegenüber einem eventuellen Materialverlust durch biologischen Abbau. Weder Verpackungen aus biologisch abbaubaren Kunststoffen noch biobasierte Verpackungen dürfen in der Bioabfallsammlung entsorgt werden.

Michael Scheibenzuber_1

Bewerten Sie Verpackungen möglichst über den gesamten Lebenszyklus hinweg.

(Life Cycle): Produktschutz zuerst, Materialeinsatz minimieren, Monomaterial bevorzugen und Mehrweg nur dort einsetzen, wo Rückführung, Reinigung und Auslastung wirklich funktionieren.

Michael Scheibenzuber, Produktmanager

Häufig gestellte Fragen 

FAQ

Die Umweltwirkung einer Verpackung wird häufig anhand von Produktschutz, Materialeinsatz, Transportaufwand, Recyclingfähigkeit und weiteren Faktoren bewertet.

Produktverluste verursachen oft einen deutlich größeren ökologischen Fußabdruck als die Verpackung selbst. Verhindert die Verpackung Schäden und Retouren, verbessert das meist die Gesamtbilanz.

Nicht immer. Mehrweg braucht Rücktransport, Reinigung (Energie/Wasser) und hohe Umläufe. Erst wenn diese Prozesse effizient organisiert sind, ist Mehrweg im Vorteil.

Ideal sind sortierfähige, trennbare Konstruktionen und möglichst reine Materialien (z. B. Monomaterial). Verbunde oder große Etiketten können die Sortierung und Verwertung erschweren.

Nicht automatisch. Biobasiert verschiebt Umweltauswirkungen teilweise in andere Kategorien (Fläche, Eutrophierung). Biologisch abbaubar ist zudem keine Garantie für Vorteile und gehört nicht in die Biotonne.

Fazit

Bei der Bewertung von Verpackungen werden häufig Produktschutz, Materialeffizienz, Recyclingfähigkeit und die Einbindung in bestehende Stoffkreisläufe berücksichtigt.

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